Zwischen Vertrauen und Verrat

Heute habe ich mich über die weitere Umgebung informiert, um unsere nächsten Schritte zu planen. Eulenheim, das Zentrum der Eulenpost, liegt zwei Tage entfernt, und etwa eine Woche Reisezeit trennt uns von der Magieakademie, bei der es auf halbem Weg einen Handelsposten geben soll. Bis Padova, einer größeren Stadt, würde unsere Reise ungefähr einen Monat dauern. Eine lange Strecke, doch die Zeit ist für mich nur ein flüchtiger Begleiter.

Bevor wir uns auf den Weg machten, beschlossen wir, noch einmal den Einsiedler Murlin aufzusuchen. Zu unserem Erstaunen fanden wir sein Haus verlassen vor, doch er hatte uns einen Brief hinterlassen. Der Inhalt war… unerwartet. In höflichen Worten erklärte Murlin, dass er eine große Chance ergriffen hatte: Eine Frau namens Anna hatte ihn angeworben, für Mordekai zu arbeiten, den Meister der Drachen. Die Frau, die er als mächtig und beeindruckend beschrieb, hatte ihn nicht nur überzeugt, sondern auch geholfen, sein Zauberbuch aus der Schatzkammer der Oger zu bergen. Murlin schilderte, wie Anna die Oger dazu brachte, Mordekai ihre Treue zu schwören, und erwähnte beiläufig, dass er in der Schatzkammer einen mysteriösen Schlüssel gesehen hatte. Zu meiner Überraschung hatte Murlin dem Brief fünf Goldfalken beigelegt – eine großzügige, wenn auch symbolische Geste.

Neugierig und zugleich skeptisch beschlossen wir, die Oger aufzusuchen, um mehr über Mordekai zu erfahren. Belph schlich voraus, um die Lage auszukundschaften, und kehrte bald mit Neuigkeiten zurück. Dank seines Berichts konnten wir ohne große Schwierigkeiten die Höhle betreten. Als wir der Wache Murlin und Anna erwähnten und erklärten, Freunde von Murlin zu sein, ließ man uns als Freunde Mordekais ein.

Der Anführer der Oger war bereit, mit uns zu sprechen, konnte uns jedoch wenig über Mordekai sagen, außer dass Anna ihnen befohlen hatte, sich ruhig zu verhalten. Es schien, als hielte Mordekai seine Pläne und Beweggründe verborgen, sogar vor seinen Verbündeten. Das Gespräch führte uns zu einer hitzigen Debatte innerhalb unserer Gruppe. In Elfisch und Halblingisch diskutierten wir, ob wir Mordekai direkt aufsuchen, die Ritter informieren oder neutral bleiben sollten. Ich war versucht, Mordekais Beweggründe zu verstehen, doch Neutralität schien mir ebenfalls eine vernünftigste Entscheidung. Amirasola war ebenfalls neugierig auf Mordekai, doch Marielda drängte darauf, zu den Rittern zurückzukehren. Am Ende einigten wir uns widerstrebend auf Neutralität.

Als wir die Höhle verließen, bemerkten wir, dass Belph und Marielda fehlten. Belph hatte die ganze Zeit ein Auge auf die Schatzkammer geworfen, und Marielda mehrfach nach einem Dietrich gefragt. Unsere Befürchtungen bestätigten sich, als wir die beiden am nächsten Tag in der Taverne von Twintleton fanden. Sie versuchten, Faar einen Bären aufzubinden, indem sie behaupteten, sich von den Ogern verabschiedet zu haben. Doch die Wahrheit kam schnell ans Licht: Belph hatte sich an der Schatzkammer bedient, während Marielda ihm dabei geholfen hatte.

Es fühlte sich wie ein Verrat an – nicht nur an unserer Abmachung, sondern an den Grundsätzen, die uns als Gruppe zusammenhielten. Ein schwerer Schlag für unser Vertrauen, und eine ernüchternde Erinnerung daran, wie schnell Disharmonie die Melodie einer Gemeinschaft stören kann. Ich werde nachdenken müssen, wie wir diesen Bruch heilen können, oder ob er uns für immer spaltet.


Ein Character von Tealk, gespielt wird das Aborea Regelwerk

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