Mythologie
Die Schöpfung
Am Anfang waren das Nichts und das Alles, und sie schwebten in einer Leere ohne Zeit und ohne Form. Und siehe, das Nichts und das Alles trafen aufeinander, und aus ihrer Begegnung entstand Kaet, der Erste und der Große.
Kaet war Chaos, und Chaos war Kaet, denn in ihm wogten die Kräfte des Nichts und des Alles, ungebändigt und ungezähmt. Er sprach: „Ich will schaffen, auf dass das Leere gefüllt werde und die Stille gebrochen sei.“ Doch alles, was er schuf, wurde zerschlagen, und alles, was er formte, verging, denn in ihm tobte der Streit zwischen Schöpfung und Zerstörung.
Da rang Kaet mit sich selbst, und seine Qual war groß. Er kämpfte gegen das Dunkle, das in ihm wohnte, und das Dunkle sprach zu ihm: „Du bist Ich, und Ich bin Du. Ohne mich kannst du nichts tun.“ Doch Kaet widerstand mit aller Kraft, und sein Ringen erschütterte die Leere.
Und schließlich, in einem letzten Aufbäumen, besiegte Kaet das Dunkle in sich. Mit einem Schrei, der durch das Nichts und das Alles hallte, trennte er das Chaos von seiner Seele, und aus dieser Tat ward Ordnung geboren.
So stand Kaet, gereinigt und in sich geeint, bereit, das Werk der Schöpfung zu beginnen. Und die Welt harrte in Stille, bereit, aus seinem Willen hervorzutreten.
Und das Dunkle, das in Kaet gewohnt hatte, konnte nicht gänzlich zerstört werden. Da entsprang es aus seinem Schädel mit einem furchtbaren Krachen, wie Donner, der die Stille zerreißt. Es floh in die Ferne, zum Ende von allem, dorthin, wo der Rand des Seins die Leere berührt.
Das Dunkle sprach: „Ich bin nicht tot, und ich werde warten. Kaet mag mich besiegt haben, doch ich bin ein Teil des Anfangs, und am Ende werde ich wiederkehren.“
Und so wich das Dunkle an jenen Ort, wo keine Zeit und kein Licht herrschen, verborgen vor Kaets Blick. Doch ein Schatten blieb in der Welt, ein Flüstern von dem, was war, und die, die kommen sollten, würden das Dunkle in der Ferne spüren und seine Rückkehr fürchten..
Da war Kaet zufrieden, denn das Dunkle war fort, und sein Geist war rein. Er blickte hinaus in die Leere und sprach: „Ich will ein Werk schaffen, das Bestand hat, ein Lied aus Leben und Vergänglichkeit, das in Ewigkeit erklingt.“
Da nahm Kaet Wasser, und es wurde zu den Flüssen, die fließen, und zu den Meeren, die tief sind. Er nahm das Licht, und es wurde zu den Sternen, die brennen, und der Sonne, die wärmt.
Er nahm den Sand und den Staub, und aus ihnen formte er die Erde, die trägt, und die Winde, die streifen. Und er hauchte den Hauch des Lebens, und Leben spross auf allen Wegen, von den Tiefen der Meere bis zu den Höhen der Himmel.
Doch Kaet wusste, dass alles, was besteht, ein Ende finden muss, damit das Neue geboren werde. Darum nahm er die Vergänglichkeit und legte sie wie einen Schleier über sein Werk. Er sprach: „Es soll nicht ewig dauern, sondern wachsen, vergehen und neu erblühen, auf dass die Ordnung niemals erstarrt.“
Und so war das Universum erschaffen, voll von Schönheit und Wandel, und Kaet sah, dass es gut war.
Kaet, zufrieden mit dem Universum, sprach: „Es ist nicht gut, dass ich allein bin. Mein Werk bedarf Wächter und Lenker, die die Ordnung bewahren und den Wandel leiten.“ So vereinte er sich mit den Elementen, die er selbst erschaffen hatte, und aus dieser Vereinigung entstanden die anderen Götter.
Prokan, der Gott des Wassers und des Regens, ward geboren, als Kaet sich mit dem Wasser verband. Aus den Tiefen und Strömen formte sich Prokan, mächtig und ungestüm, der Herrscher der Meere und Bringer des lebensspendenden Regens.
Kontea, die Sonnengöttin, entsprang der Vereinigung Kaets mit dem Licht. Ihre Gestalt war wie die strahlende Sonne, und sie erleuchtete die Welt, gab Wärme und Leben, doch auch das Feuer, das verzehrt.
Ferkulla, der Gott des Steins, der Erde und des Eisens, wurde aus der Verbindung Kaets mit dem Sand und dem Staub geboren. Er war stark wie die Berge, unnachgiebig wie das Gestein und schimmernd wie das Metall, das tief in der Erde ruht.
Kard, der Gott der Luft und der Winde, entstand, als Kaet sich mit dem Hauch des Lebens vereinigte. Kard war der Atem der Welt, der Träger der Worte und Lieder, der Herr der stürmischen Winde und der sanften Brisen.
Kron, der Gott der Zeit und des Todes, wurde aus der Verschmelzung Kaets mit der Vergänglichkeit geboren. Seine Hand lenkte den Lauf der Zeit, seine Stimme rief das Ende herbei, doch auch die Erneuerung, die mit jedem Ende beginnt.
So standen die Götter, Kinder von Kaet, um ihn, und er sprach zu ihnen: „Ihr sollt die Hüter meines Werkes sein, jeder über das, was ihm entsprang. Doch wisset, dass in euch auch ein Teil von mir wohnt, und so seid ihr verbunden, gleich einem Kreis ohne Anfang und Ende.“
Und die Götter nahmen ihre Plätze ein, und die Ordnung des Universums begann zu weben ihr unendliches Muster.
Nachdem die Götter geboren waren und ihre Kräfte erkannt hatten, sprach Kaet zu ihnen:
„Nun ist es an uns, ein Zentrum für das Leben zu schaffen, einen Ort, der all unsere Gaben in sich vereint. Wasser, Licht, Stein, Wind und Zeit sollen dort harmonisch zusammenwirken.“
Da begannen die Götter ihr Werk. Prokan ließ Ströme von Wasser fließen und füllte die Tiefen mit Meeren und Flüssen. Kontea sandte ihr Licht herab, um Wärme und Helligkeit zu bringen. Ferkulla erhob die Berge, legte die Täler und ließ Gestein und Eisen in die Erde sinken. Kard hauchte Winde über die Oberfläche, die die Samen des Lebens trugen und die Wolken in Bewegung setzten. Kron durchzog alles mit der Zeit, auf dass nichts stehenbleibe, sondern wachse, vergehe und neu erstehe.
Gemeinsam formten sie eine Kugel, die im Raum schwebte, und Kaet betrachtete ihr Werk. Er legte seine Hand darauf und sprach: „Dies sei der Planet, der Ort, an dem das Leben gedeihen wird. Es sei ein Gleichgewicht aus Schönheit und Wandel, zwischen Bestand und Vergänglichkeit.“
Die Götter taten, wie Kaet befahl. Sie vereinten ihre Kräfte und erschufen Wälder, Meere, Wüsten und Himmel, und das Leben begann zu keimen. Lebewesen füllten die Erde, das Wasser und die Luft, jede nach ihrem Wesen geformt von der Macht der Götter.
So entstand der Planet, und er war erfüllt von Vielfalt und Bewegung, von Licht und Schatten, von Frieden und Sturm. Kaet und die Götter blickten auf ihr Werk und sahen, dass es gut war. Sie nannten es **Kayra**, den Ort der Schöpfung, wo das Lied des Lebens niemals verstummen würde.
Da geschah es, dass Ferkulla, der Gott des Steins, der Erde und des Eisens, voller Schaffensdrang war. Er erhob sich heimlich und stahl von den Wassern Prokans, und mit Erde und Wasser formte er Lehm, der weich und doch beständig war.
Aus diesem Lehm schuf er Statuen, jede kunstvoll und einzigartig, und er stellte sie vor Kaet, seinen Vater. Kaet sah die Werke seines Sohnes und sprach: „Wahrlich, deine Hände haben Großes vollbracht. Doch diese Formen, so schön sie auch seien, sind stumm und leer. Es fehlt ihnen das, was sie beleben könnte.“
Da wandte sich Kaet an Kard, den Gott des Hauch des Lebens, und bat um Hilfe. Kard, bewegt von Kaets Wunsch, sprach: „Ich will diesen Werken meinen Atem geben, doch wisset, dass mit dem Leben auch der Tod kommt, denn alles, was lebt, muss sich wandeln.“
Und Kard hauchte die Statuen an, und ihre Augen öffneten sich. Sie erhoben sich, wandelten auf der Erde, atmeten die Luft und tranken das Wasser. So kamen die Lebewesen ins Sein, vielfältig und voller Kraft, die Vögel der Lüfte, die Fische der Meere, die Tiere der Erde und schließlich die Kardhu, die Kaet besonders ins Herz schloss.
Die Götter blickten auf die Geschöpfe und waren zufrieden. Sie sprachen untereinander: „Wir haben ihnen Leben gegeben, doch sie brauchen auch einen Ort, an dem sie leben können.“
Prokan ließ die Meere fließen, die die Erde umschlangen. Ferkulla erhob die Berge und gab den Lebewesen festen Grund. Kontea sandte ihr Licht, damit sie sehen und wachsen könnten. Kard ließ die Winde wehen, die Wolken bringen und die Wärme verteilen. Kron legte die Zeit über all dies, damit es sich ständig erneuere.
Da kamen die Götter überein: „Von Zeit zu Zeit soll ein Gott dem anderen etwas nehmen. Das Wasser soll aufsteigen und sich als Regen auf die Erde ergießen. Die Erde soll Winde formen und die Winde die Wolken treiben. Das Licht soll den Wandel nähren, und die Zeit soll alles lenken. So wird alles in Bewegung bleiben, und das Gleichgewicht wird gewahrt.“
Und so geschah es. Die Welt war im steten Wandel, und Kaet und seine Kinder und Kindeskinder sahen, dass es gut war. Die Lebewesen bevölkerten den Planeten, und ihr Dasein war ein Spiegel der Harmonie und des Wandels, die die Götter geschaffen hatten.
Der Krieg der Götter
Und es begab sich, dass Kaet nachsann über einen Namen für sein Heim, und er sprach: „Ich will es nennen Kaeturn, auf dass es bekannt sei als meines und meiner Werke Ruhm.“ Da kamen die anderen Götter zu ihm und sprachen:
„Haben wir nicht auch an diesem Werk teilgehabt? Haben unsere Hände nicht das Fundament gelegt, und unser Atem nicht das Leben in diese Hallen gebracht? Sollte es uns nicht auch erlaubt sein, den Ort zu benennen, der aus unserer Gemeinschaft hervorging?“
Doch Kaet erhob sich mit stolzem Lachen und sprach zu ihnen: „Wessen Hände auch wirkten, das Werk bleibt mein, und der Name ist mein zu wählen.“
Da wurden die Götter, die seine Kinder waren, beschämt und verstummten vor ihm. Doch in ihren Herzen trugen sie Zorn, und sie flüsterten im Verborgenen Flüche wider Kaet. Und ihre Worte wurden zu einem Schatten, der über Kaeturn lag, und das Heim ward nicht von Frieden erfüllt, sondern von Zwietracht unter den Seinen.
Und so entbrannte ein großer Krieg zwischen Kaet und seinen Kindern, und das Blut der Himmlischen floss wie Ströme durch die Erde. Kaet erhob sich mit Macht gegen seine Kinder und Kindeskinder, und die Himmel erzitterten unter dem Donner seiner Stimme.
Er schleuderte Flammen aus seinen Händen, und die Erde barst, Berge fielen und Meere verschlangen das Land. In jenem Kampf wurde ein ganzer Kontinent hinabgestürzt in die Tiefe, und aus seiner Asche entstand die Azursee, deren Wasser bis heute das Echo des Zorns trägt.
Doch die Kinder von Kaet versammelten sich, und sie waren zahlreich wie die Sterne am Firmament. Mit einer Stimme sprachen sie: „Es ist genug! Der Hochmut unseres Vaters hat uns entzweit, doch in Eintracht wollen wir ihn niederwerfen.“
Und so vereinten sie ihre Kräfte, und ihr Licht war heller als die Sonne. Gemeinsam überwältigten sie Kaet, den Mächtigen, und sie brachten ihn zu Fall. Kaet wurde besiegt, und sie zerrissen ihn in alles und nichts, auf dass seine Macht sich auflöse in den Wind und seine Gestalt nicht mehr sei.
Doch bevor Kaet verging, hob er seine Augen gen Himmel und sprach mit gebrochener Stimme: „Ich habe geliebt, und doch habe ich zerstört.“ Eine einzige Träne entwich seinen Augen, und als sie fiel, wurde sie zu einem großen Mond, der seither die Welt erleuchtet in der Nacht.
Und so endet die Herrschaft Kaets, doch sein Erbe bleibt in der Tiefe der Azursee und im Licht des Mondes, das die Erde umhüllt wie die Erinnerung an einen verlorenen Vater.
Die Entstehung der Monde
Es waren einmal drei Brüder, Söhne des mächtigen **Prokan** und einer Sterblichen, geboren mit der Stärke der Götter und der Leidenschaft der Menschen. Diese Brüder wetteiferten unablässig miteinander, jeder darum bemüht, der größte unter ihnen zu sein.
Eines Tages sprach der jüngste Bruder: „Lasst uns die Wahrheit finden, wer der Stärkste ist! Wir wollen werfen, und wessen Wurf am weitesten geht, soll der Sieger sein.“
Die anderen Brüder stimmten mit lautem Jubel zu.
Da nahm der jüngste Bruder einen Felsen von gewaltiger Größe, so groß wie ein Hügel, und schleuderte ihn mit all seiner Kraft. Der Felsen flog hoch in den Himmel, über den Horizont hinaus, und blieb dort oben stecken, ein leuchtender Punkt in der Ferne.
Der mittlere Bruder, nicht gewillt, sich übertreffen zu lassen, suchte sich einen noch größeren Felsen. Mit einem mächtigen Schrei warf er ihn, und der Felsen flog weiter und höher als der seines jüngeren Bruders, bis auch er im Himmel stecken blieb, noch strahlender und größer.
Da trat der älteste Bruder vor, voller Hochmut, und sprach: „Ihr seid nichts als Schwächlinge! Ich werde euch zeigen, was wahre Stärke ist.“ Er suchte sich einen Felsen, der so groß war wie ein Berg, und spannte seine gewaltigen Muskeln. Doch in seiner Überheblichkeit und seinem Spott hatte er Ferkulla, den Gott des Steins und der Erde, erzürnt.
Als der älteste Bruder den Felsen warf, nahm Ferkulla ihm im selben Augenblick seine Kraft. Der Felsen flog kaum weiter als die der anderen, stieg auf und blieb als der kleinste von allen im Himmel stecken, vor den beiden anderen.
Die Brüder schauten hinauf und erkannten, dass ihre Rivalität ein Spiel für die Götter war. Sie lachten und legten ihren Streit beiseite, doch die drei Felsen blieben im Himmel stecken und leuchten bis heute.
Die Menschen nennen sie die **Drei Brüdersterne**, und sie erzählen ihre Geschichte, um daran zu erinnern, dass Hochmut stets vor dem Fall kommt.
sonstige Geschichten
Das Schmieden
Und es begab sich, dass Akir, das Feuer, Liebe empfand für Ferkulla, der sich ihr in Zuneigung nahte. Und sie sprachen miteinander und baten Kurkurru, den Hüter des Waldes, um ein Geschenk, das ihren Bund segnen sollte.
Da vernahm Kurkurru ihre Worte, und er gab ihnen Holz aus dem tiefen Walde, das stark und rein war. Und Akir, das Feuer, und Ferkulla, der von Sanftmut war, nahmen das Holz und verbanden sich mit dem Element des Feuers, das in Akir wohnte.
Da tat sich ein großes Wunder. Sie gaben etwas von sich, und gemeinsam mit dem Holz, das Kurkurru ihnen geschenkt hatte, formten sie etwas Neues, das stark und von unermesslichem Wert war. So ward das Eisen erschaffen, und mit ihm die Kunst des Schmiedens, die den Menschen von nun an dienen sollte.
Und es ward bekannt, dass Akir, das Feuer, und Ferkulla, in Eintracht mit Kurkurru, dem Wächter des Waldes, die erste Schmiedekunst hervorgebracht hatten, die für immer in den Herzen der Menschen bleiben sollte.
Die Schiffe
Und es begab sich, dass Prokan, der Herr der Stürme, der über die Wellen des weiten Ozeans herrschte, eines Tages in den heiligen Hainen Kurkurrus wandelte, des Waldes Hüter. Da sprach Prokan zu ihm:
„Höre, Kurkurru, der Sturm ruft nach neuen Wegen, um das Land zu erreichen, fern und unermesslich. Der Ozean ist groß und die Küsten weit, doch der Mensch will kommen zu den fernen Ufern. Sie suchen nach dem Zauber, der die Weiten des Wassers überbrückt.“
Und Kurkurru, der Wächter der Bäume und der Erde, lauschte den Worten des Sturmgeistes und sprach: „Es soll ein Werk geboren werden, das den Menschen eine Brücke über das Wasser gibt. Doch der Weg dahin erfordert Weisheit und Mühe.“
So sammelten sie gemeinsam das Beste aus Erde und Himmel. Prokan entließ den Wind, der die Bäume biegen und die Wasserfluten entfachen sollte, und Kurkurru gab von seinem Wald, in dem starke Hölzer wuchsen, die fest und erhaben waren.
Da nahmen die Menschen das Holz und formten es mit einer Kunst, die ihnen von Kurkurru offenbart wurde. Sie schufen etwas, das die Luft durchbrach und das Wasser trug: die ersten Schiffe. Sie verbanden die Stärke des Holzes mit der Macht des Windes, den Prokan gab, und mit der Weisheit von Kurkurru.
Die Schiffe fuhren fortan über die weiten Meere, getragen von den Winden des Prokan und gestützt von der Festigkeit des Waldes, den Kurkurru gegeben hatte. So wurden die Schiffe erschaffen, und die Menschen reisten zu fernen Ländern, über das große Wasser, das nun für sie nicht mehr unüberwindbar war.
Und es wurde bekannt, dass der Sturm und der Wald in Eintracht ein Werk erschufen, das die Welt in eine neue Ära führte.
Der Tod
Und es geschah, dass ein Lebewesen, in seiner Unschuld und Sehnsucht, ein anderes liebte mit ganzer Kraft seines Herzens. Doch jene Liebe wurde nicht erwidert, denn das andere Wesen war blind für die Glut, die in jener Seele brannte. Da ward das Lebewesen von großem Kummer erfüllt und rief in seiner Verzweiflung zu Kron, dem Hüter der Ewigkeit und der Schatten.
„O Kron,“ sprach das Lebewesen, „nimm diesen Schmerz von mir! Wenn meine Liebe nicht erwidert werden kann, so lass mich das, was ich liebe, auf ewig besitzen, wo es kein Leid mehr gibt.“
Kron, der finstere und unerbittliche, hörte den Ruf und neigte sein Haupt. Doch sein Herz war nicht mit Gnade erfüllt, sondern mit einem stillen, unergründlichen Lächeln. Er sprach: „Dein Wunsch sei dir gewährt, doch wisse: Was in meine Domäne tritt, kehrt nie mehr in die Welt des Lebens zurück.“
Da streckte Kron seine Hand aus, und das liebende Wesen wurde von der Welt genommen und in seine Domäne gebracht, wo es in steter Ruhe verweilte, unberührt von der Zeit. Doch jene Ewigkeit, die Kron schenkte, war für das liebende Lebewesen nur ein Wimpernschlag, ein Hauch im großen Strom der Existenz.
So kam der Tod in die Welt, geboren aus Liebe und Schmerz, und wurde Kron der Herrscher über alle, die einst liebten und litten. Und es ward erkannt, dass keine Bitte an Kron ohne Preis ist und keine Ewigkeit ohne Verlust.